Die ISO 16890 klassifiziert Partikelfilter für die Raumlufttechnik anhand ihrer Wirksamkeit gegenüber Feinstaub. Die seit Ende 2016 gültige Norm hat im Jahr 2018 die frühere europäische Norm EN 779 vollständig ersetzt.
Im Gegensatz zur älteren Norm EN 779, die sich auf einzelne Partikelgrößen (z. B. 0,4 µm) fokussierte, basiert ISO 16890 auf realen Feinstaubfraktionen:
Damit ermöglicht die Norm eine realitätsnahe Bewertung der Filterleistung. Die Luftqualität in Innenräumen lässt sich auf dieser Grundlage gezielt und normgerecht planen – sowohl für Nichtwohngebäude (vgl. EN 16798-3) als auch für Wohngebäude.
Denn Luftverschmutzung zählt weltweit zu den größten Gesundheitsrisiken. ¹ In den jüngsten WHO-Leitlinien von 2021 werden daher deutlich strengere Grenzwerte für Außenluft und Innenraumluft empfohlen. ²
Auf dieser Basis lässt sich Außenluft in drei Kategorien einteilen.
1 Vgl. WHO(2021b): S. XIV.
2 Vgl. WHO (2021a): S. 8.
Für eine präzise Planung kann die Außenluftqualität in drei sogenannte ODA-Kategorien (Outdoor-Air) unterteilt werden. Diese Kategorien basierend auf den WHO-Empfehlungen zu Feinstaubgrenzwerten aus dem Jahre 2021.3
Kategorie Außenluft |
PM2,5 (µg / m³) Jahresmittelwert |
PM10 (µg / m³) Jahresmittelwert |
Beschreibung |
ODA 1 |
≤ 5 |
≤ 15 |
Saubere Außenluft – WHO-Grenzwerte werden eingehalten |
ODA 2 |
≤ 7,5 |
≤ 22,5 |
Belastete Außenluft – WHO-Werte bis zum 1,5-fachen überschritten |
ODA 3 |
> 7,5 |
> 22,5 |
Stark belastete Außenluft – WHO-Werte werden deutlich überschritten |
Ohne geeignete Luftfiltration liegt in Innenräumen häufig eine vergleichbare Belastung wie im Außenbereich vor. Für die Auswahl eines passenden Luftfilters gemäß ISO 16890 bieten die sogenannten Supply-Air-Kategorien eine hilfreiche Orientierung – Sie definieren empfohlene Filterleistungen in Abhängigkeit von der jeweiligen Außenluftqualität – also der zugeordneten ODA-Kategorie.
3 Vgl. WHO (2021a): S. 5.
Die sogenannten Supply-Air-Kategorien (SUP) beschreiben die angestrebte Qualität der Zuluft in Innenräumen.
Sie orientieren sich – analog zu den ODA-Kategorien – an den WHO-Grenzwerten für Feinstaub und sind in fünf Stufen unterteilt.
Diese Kategorien helfen dabei, aus der Außenluftqualität (ODA) und den Anforderungen an die Raumluft (SUP) eine passende Filterleistung gemäß ISO 16890 abzuleiten.
Tabelle: SUP-Kategorien
|
Kategorie Innenluft |
PM2,5 (µg / m³) Jahresmittelwert |
PM10 (µg / m³) Jahresmittelwert |
Beispiele |
|
SUP 1 |
≤ 1,25 |
≤ 3,75 |
Reinräume, Krankenhäuser, Pharmaindustrie |
|
SUP 2 |
≤ 2,5 |
≤ 7,5 |
Büros, Hotels, Kindergärten, Wohngebäude, Lebensmittelindustrie |
|
SUP 3 |
≤ 3,75 |
≤ 11,25 |
Rechenzentrum, Einkaufszentrum |
|
SUP 4 |
≤ 5 |
≤ 15 |
Treppenhäuser, Produktionsstätten |
|
SUP 5 |
≤ 7,5 |
≤ 22,5 |
Tiefgaragen, Schweißbetrieb |
Die geeignete Filterklasse nach ISO 16890 ergibt sich aus der Kombination von:
Aus den jeweiligen ODA-Kategorien (Außenluftqualität) und den SUP-Kategorien (Ziel-Innenluftqualität) lassen sich die erforderlichen Mindestfiltrationseffizienzen (ePMₓ) nach ISO 16890 bestimmen.⁴
Diese Empfehlungen gelten sowohl:
Beispiel
Tabelle: ODA-Kategorien
|
Outdoor Air Quality |
Supply Air Quality |
||||
|
SUP 1 |
SUP 2 |
SUP 3 |
SUP 4 |
SUP 5 |
|
|
ODA 1 |
ePM1 70% (zusätzlicher Aktivkohlefilter empfohlen) |
ePM1 50% |
ePM2,5 50% |
ePM10 50% |
ePM10 50% |
|
ODA 2 |
ePM1 80% (zusätzlicher Aktivkohlefilter benötigt) |
ePM1 70% (zusätzlicher Aktivkohlefilter empfohlen) |
ePM2,5 70% |
ePM10 80% |
ePM10 50% |
|
ODA 3 |
ePM1 90% (zusätzlicher Aktivkohlefilter benötigt) |
ePM1 80% (zusätzlicher Aktivkohlefilter benötigt) |
ePM2,5 80% (zusätzlicher Aktivkohlefilter empfohlen) |
ePM10 90% |
ePM10 80% |
Hinweis: Die Matrix dient als Orientierungshilfe. Die tatsächlichen Empfehlungen können je nach Gebäudeart, Nutzung, Normanforderungen (z. B. VDI 6022, DIN EN 16798-3) oder regionalen Vorschriften leicht variieren.
4 Vgl. VDMA Luftfilterinformation (2018): S. 7.
Trotz erheblicher Fortschritte in der Luftreinhaltung überschreiten die meisten Länder – darunter auch Deutschland – weiterhin die empfohlenen WHO-Grenzwerte.⁵
Die ISO 16890 bietet eine praxisnahe Grundlage zur Auswahl geeigneter Luftfilter auf Basis realer Feinstaubbelastungen.
Durch die Kombination von:
entsteht eine klare und nachvollziehbare Orientierung für die zielgerichtete Planung gesunder Raumluftqualität.
5 Vgl. IQAir (2024)
Gesunde Raumluft reduziert nachweislich das Risiko für:
Die richtige Filterwahl schützt außerdem:
Gesunde Raumluft reduziert nachweislich das Risiko für Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD und Herz-Kreislauf-Leiden.
Die passende Filterwahl schützt nicht nur die Gesundheit, sondern auch Lüftungsanlagen vor vorzeitigem Verschleiß.
Mit der neuen EU-Richtlinie 2024/2881 verpflichtet sich die Europäische Union, die Luftqualität in Europa weiter zu verbessern. Ziel ist es, die Luftqualitätsnormen deutlich stärker an die aktuellen Empfehlungen der WHO anzupassen – insbesondere im Hinblick auf Feinstaub PM₂,₅ in der Außenluft.⁶
Diese politischen Maßnahmen beruhen auf einem klaren gesundheitlichen Anliegen:
Feinstaub (insbesondere PM₂,₅) gilt heute als eine der größten Gefahren für die menschliche Gesundheit.
Auch wenn sich die Richtlinie explizit auf die Außenluft bezieht, unterstreicht sie die zwingende Bedeutung sauberer Atemluft – und damit die Notwendigkeit, Innenräume gezielt vor belasteter Außenluft zu schützen.
6 Vgl. Richtlinie des europäischen Parlaments des Rates (2024): S.1-70
Eine leistungsstarke Filterlösung
sollte nicht nur hohe Abscheideleistung bieten.
Genauso entscheidend ist der Energieverbrauch der Anlage:
Wer auf eine ausgewogene Kombination aus Reinigungsleistung und Energieeffizienz setzt, erzielt nachhaltige Raumluftlösungen – ökonomisch wie ökologisch.
Die ISO 16890 bietet eine praxisorientierte, wissenschaftlich fundierte Grundlage zur Auswahl geeigneter Luftfilter für unterschiedlichste Anwendungsbereiche.
Durch die Kombination der ODA-Kategorien (Außenluftqualität) und SUP-Kategorien (Ziel-Innenluftqualität) entsteht eine klare, nachvollziehbare Orientierung für die Planung gesunder Raumluft.
Die Norm trägt dazu bei:
Damit ist ISO 16890 heute der maßgebliche Standard für die Auswahl von Filtern in der Raumlufttechnik – sowohl im privaten als auch im gewerblichen und industriellen Bereich.
Die ISO 16890 ist der internationale Standard zur Klassifizierung von Luftfiltern in der Raumlufttechnik. Sie bewertet Filter anhand ihrer Abscheideleistung gegenüber realen Feinstaubfraktionen (PM1, PM2,5 und PM10). Die Norm dient als Grundlage für die Auswahl geeigneter Filter in Nichtwohngebäuden (z. B. gemäß EN 16798-3) und in Wohngebäuden.
EN 779 bewertete Filter anhand einer festen Partikelgröße (0,4 µm). ISO 16890 ersetzt diese vereinfachte Betrachtung durch ein realitätsnahes, PM-basiertes Verfahren, das die tatsächliche Luftbelastung widerspiegelt und global anwendbar ist.
Es handelt sich um Feinstaubfraktionen, definiert nach Partikelgröße:
Besonders Partikel ≤ 1 µm können schwerwiegende Gesundheitsschäden verursachen, darunter Entzündungsreaktionen, oxidativer Stress und krebsauslösende Wirkungen. Sie können bis in Organe und Blut übertreten und nahezu alle Organsysteme beeinträchtigen.
Vgl. Prof. Dr. med. Barbara Hoffmann (2025)
Die ODA-Kategorien (ODA 1–3) beschreiben die Außenluftqualität an einem Standort. Sie basieren auf den WHO-Grenzwerten von 2021. Je höher die ODA-Kategorie, desto stärker die Außenluftbelastung – und desto höher die Anforderungen an die eingesetzte Filterklasse.
Die SUP-Kategorien (SUP 1–5) definieren die Zielqualität der Zuluft im Innenraum. Sie geben an, wie rein die Zuluft sein muss – z. B. SUP 1 für Reinräume oder SUP 2 für Büros und Wohngebäude.
Die ODA-Kategorie beschreibt die Außenluftqualität.
Die SUP-Kategorie definiert die Zielqualität der Innenluft.
Daraus ergibt sich die erforderliche Mindestabscheideleistung:
Feinstaub – vor allem PM2,5 – zählt laut WHO zu den weltweit größten Gesundheitsrisiken. ISO 16890 ermöglicht erstmals, Filter anhand realer PM-Belastungen auszuwählen und so:
Die Richtlinie führt deutlich strengere Grenzwerte für Feinstaub in der Außenluft ein. Dadurch steigt der Bedarf an leistungsfähigen Luftfiltern, die Innenräume vor steigenden Außenluftbelastungen schützen. Die ISO 16890 bietet die normativen Grundlagen für die Filterauswahl.
Neben der Abscheideleistung ist der Druckverlust entscheidend:
Typischerweise:
SUP 1 – z. B. Krankenhäuser, Pharma, Reinräume:
Ja:
IQAir (2024): Weltluftqualitätsbericht
Richtlinie des europäischen Parlaments des Rates (2024): Luftqualität und saubere Luft für Europa, 2024/2881, S. 1-70.
VDMA Luftfilterinformation (2018): DIN EN ISO 16890:2017 – Ein Schritt zu mehr Praxisnähe, S. 1-12.
World Health Organization (2021a): Globale Luftgüteleitlinien der WHO – Feinstaubpartikel (PM2,5 und PM10), Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid – Zusammenfassung, S. 1-10.
World Health Organization (2021b): WHO global air quality guidelines – Particulate matter (PM2,5 and PM10) ozone, nitrogen dioxide, sulfur dioxide and carbon monoxide, S. 1 – 273.